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Handschriftenproduktion in der Devotio moderna

Die Handschriftenproduktion  war eine der Haupteinnnahmequellen der Brúder vom Gemeinsamen Leben und ein der wichtigsten Tätigkeiten der Windesheimer Chorherren neben Messe und Chorgebet. Ob es um Schreibarbeiten im Auftrag dritter ging (pro precio) oder um die Produktion für dem eigenen Bedarf, die Schreibtätigkeit stand in enger Verbindung mit dem spirituellen Leben der Modernen Devoten. Immerhin erlaubte sie eine Kombination der zum Lebensunterhalt erforderlichen Handarbeit mit der erstrebten Spiritualität: die geistlichen Texte wurden zugleich gelesen, meditiert und abgeschrieben. "Lesen mit der Feder" nannte Thom Mertens diese innige Verknüpfung (lezen met de pen). 

Der Aufbau von Bibliotheken war ein zentrales Anliegen sowohl der Brder vom Gemeinsamen Leben als auch der Windesheimer Chorherren. Letztere bemühten sich auch in grossem Umfang um die Bildung der Laienbrüder, die ja im allgemeinen kein Latein konnten. Für sie wurden teilweise umfangreiche Bibliotheken mit Literatur in der Volkssprache angelegt und Übersetzungen wichtiger geistlicher Literatur angefertigt.

Aus Frauenhäusern ist Schreibtätigkeit in weit geringerem Mass bekannt. Die Schwestern vom Gemeinsamen Leben schrieben nur ausnahmsweise. Sie verdienten ihren Lebensunterhalt durch praktische Tätigkeiten. Oft erlaubte auch ihr Bildungsniveau keine Schreibtätigkeit.  Musikhandschriften aus ihren Kreisen enthalten keine lateinischen Lieder. 

Handschriften aus Tertiarissenkreisen sind noch nicht eingehend untersucht. Der Prozess der Verklosterung dieser Häuser in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts brachte auch eine Verschiebung der Tätigkeit dieser Frauen in Richtung Liturgie und Schriftlichkeit. Musikhandschriften können bisher nicht mit letzter Sicherheit in diesen Klöstern situiert werden. 

Windesheimer Chorfrauen dagegen schrieben viel. In einigen Frauenklöstern (Diepenveen, Sint-Agnes in Gent) konnten Scriptoria festgestellt werden. Die Chorfrauen stellten vor allem Liturgica für den eigenen Bedarf her. Einige hochgebildete Chorfrauen wie die hochadelige Katherina van Naaldwijk aus dem Frauenkloster Diepenveen konnten Latein und legten eigene Rapiarien an mit selbstgefertigten Auszügen aus der geistlichen Literatur. 

 

Musikhandschriften

Auch Musikhandschriften sind aus Kreisen der Devotio moderna erhalten. Soweit bisher bekannt ist, wurden sie für den persönlichen Gebrauch erstellt, nicht für den Verkauf. Eine Ausnahme bilden Liturgica, die von den Brüdern vom Gemeinsamen Leben im Auftrag anderer Klostergemeinschaften hergestellt wurden. Musikhandschriften aus der Frühzeit der Devotio moderna sind bisher unbekannt, die ältesten Quellen datieren aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, die überwiegende Mehrzahl wurde um 1500 und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts geschrieben. Ein Teil davon enthält auch Noten, viele sind unnotiert. 

Auffallend ist das kleine Format der ausserliturgischen Musikhandschriften. wodurch sie leicht transportiert werden konnten. 

Einige dieser Musikhandschriften sind Konvolute kleiner und kleinster Heftchen, die oftmals nur eine Lage umfassen. Sie wurden im 16. und 17. Jahrhundert zu den heute bekannten Einheiten zusammengebunden, wohl als nach dem Rückgang der Bewegung der Devotio moderna der persönliche Gebrauch und die Transportfähigkeit der Heftchen nicht mehr im Vordergrund standen.

Nur wenige der bekannten Quellen sind bisher herausgegeben. Daher sind die Musikhandschriften der Devotio moderna  heute insgesamt eher unbekannt.

 

Literatur

Bruning u.a. 1963

 

Hascher-Burger, Gesungene Innigkeit

 

Kock 1999

 

C. Lingier, “Boekengebruik in vrouwenkloosters onder de invloed van de Moderne Devotie”, in: Th. Mertens u.a. (Hg.): Boeken voor de eeuwigheid. Middelnederlands geestelijk proza. Amsterdam 1993, 280-294.  

 

Th. Mertens, “Lezen met de pen. Ontwikkelingen in het laat­middeleeuws geestelijk proza”, in: F.P. van Oostrom und F. Willaert (Red.): De studie van de Middelnederlandse letterkunde: stand en toekomst, Hilversum 1989, 187-200.

 

Scheepsma 1997

 

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zuletzt bearbeitet am 20-01-2013

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