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Die Kirche des Klosters Diepenveen mit dem ehemaligen Klostergarten

"Wenn Frauen sich eifrig anstrengen, dann empfangen sie manchmal mehr Gnade und stehen sie bei Gott in höherem Ansehen als Männer". Diese erstaunliche Aussage stammt von Johannes Brinckerinck (+ 1419), dem ersten Rektor des ältesten Windesheimer Frauenklosters, Maria und St. Agnes in Diepenveen bei Deventer. Er bemühte sich intensiv darum, zahlreichen Anhängerinnen der Devotio moderna ein Leben im Stil dieser Bewegung nahezubringen. Er riet ihnen beispielsweise, ein Buch mit Tugenden anzulegen, eine kleine Mühe in der Jugend, die im Alter ihre Früchte abwerfen würde. Offensichtlich folgten zahlreiche Bewohnerinnen der verschiedenen Frauenklöster der Devotio moderna seinem Rat: Lebensbeschreibungen von Schwestern in Diepenveen, Emmerich, Gent zeugen vom Kampf der Schwestern gegen die Sünde und um den Erwerb der Tugend. 

Die frühe Bewegung der Devotio moderna ist eng verbunden mit der spätmittelalterlichen Frauenbewegung. Geert Grote vermachte sein Haus einer Gruppe religiös lebender Frauen, den ersten Schwestern vom Gemeinsamen Leben. Als nach seinem Tod (+ 1384) erst Jan van der Gronde und nach ihm Johannes Brinckerinck die geistliche Betreuung der Frauen auf sich nahm, stieg die Zahl der religiös lebenden Frauen sprunghaft an. Auch einige reiche Witwen schlossen sich der jungen Bewegung an, konnten aber in keines der Schwesternhäuser einziehen. Deren Statuten bestimmten nämlich, dass nur arme und unverheiratete Frauen als Bewohnerinnen in Betracht kamen. Darum gründete Brinckerinck 1400 mit finanzieller Unterstützung dreier Anhängerinnen (Zweder van Rechteren, Jutte van Ahaus und Elsebe Hasenbroecks) ein neues Haus mit grosszügigeren Aufnahmebedingungen: das Schwesternhaus Maria und Agnes in Diepenveen. Dieses Haus löste sich 1407 definitiv vom Mutterhaus in Deventer und erlangt den Klosterstatus. 1408 wurde die Klosterklausur eingeführt und 1412 wurde das Frauenkloster zum Kapitel von Windesheim zugelassen.

Diepenveen ist das Mutterhaus aller Winderheimer Frauenklöster. Vergleicht man die Anzahl der Windesheimer Frauenklöster mit der der Männerklöster, dann fällt die geringe Anzahl auf (16 Frauenklöster gegenüber 86  Männerklöstern die jemals dem Kapitel angehörten). Grund für dieses Missverhältnis war das Bedürfnis an geistlicher Versorgung, das die Frauenklöster hatten. Die organisorische Leitung dieser Klöster nach aussen sowie die geistliche Begleitung in der Form von Beichtabnahme und liturgischer Versorgung lag in den Händen des Rektors des Hauses und seiner Helfer. Die Frauenklöster waren auf männliche geistliche Begleitung angewiesen, diese nahmen vor allem Brüder vom Gemeinsamen Leben auf sich. Das Kapitel von Windesheim beschloss, die Zahl der angeschlossenen Frauenklöster drastisch zu begrenzen, zum einen aus Sorge darüber, die cura monialium, die geistliche Versorgung der Frauen, könne eine zu grosse Last sein für die angeschlossenen Männerklöster. Eine noch grössere Rolle spielte aber offensichtlich die Sorge, das Kapitel könne bei einer grosszügigen Aufnahme der Frauenklöster mit der ökonomischen und juristischen Verantwortung für die Frauenklöster überfordert sein.

Viele Schwesternhäuser bemühten sich jedoch im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts erfolgreich um den Klosterstatus. Nur wenige wurden im Kapitel von Windesheim zugelassen, doch auch sie sind zu den Anhängern der Devotio moderna zu rechnen. So haben sich viele ehemalige Häuser für Schwestern und Tertiarissen beispielsweise zum Kapitel von Sion oder Holland und zum Kapitel von Venlo zuasammengeschlossen. Ihre Musik wird auf dieser Site genauso gesammelt wie die der wenigen Windesheimer Frauenklöster.

Die Devotio moderna war für die spätmittelalterliche Frauenbewegung von grosser Bedeutung. Post stellte fest, dass von ungefähr 10.000 Klosterbewohnerinnen in den Niederlanden am Vorabend der Reformation ungefähr 8000 der Devotio moderna zugerechnet werden können: Schwestern vom Gemeinsamen Leben, Tertiarissen und Regularkanonikerinnen. Scheepsma nimmt an, dass ungefähr die Hälfte davon unter dem unmittelaren Einfluss des Kapitels von Windesheim standen, auch wenn sie keine offiziellen Mitglieder waren. Daher ist in seinen Augen das Kapitel von Windesheim, trotz aller Einschränkungen für Frauen, ein wichtiger Faktor innerhalb der zweiten  religiösen Frauenbewegung des Mittelalters.

 

Literatur

A. Bollmann, Frauenleben und Frauenliteratur in der Devotio moderna. Volkssprachige Schwesternbücher in literarhistorischer Perspektive. Diss. Groningen 2004.

A. Bollmann, 'Mijt dijt spynnen soe suldi den hemel gewinnen. Die Arbeit als normierender und frömmigkeitszentrierender Einfluss in den Frauengemeinschaften der Devotio moderna', in: R. Suntrup/J.R. Veenstra, Normative Zentrierung/Normative Centering. Frankfurt a.M. etc 2002, 85-124.

P. Bange, 'De hervorming van de Saksische vrouwenkloosters als verhaald door Johannes Busch in boek II van zijn Liber de reformatione monasteriorum', in:A. J. Hendrikman u.a., Windesheim 1395-1995. Kloosters, Teksten, Invloeden. Nijmegen 1996,S. 143-153.

Hascher-Burger 2005

Hermina Joldersma, ""Alternative Spiritual Exercises for Weaker Minds"? Vernacular Religious Song in the Lifes of Women of the Devotio Moderna", in: CHRC 88.3 (2008), 371-393.

Thom Mertens, 'Postuum auteurschap. De collaties van Johannes Brinckerinck', in: A. J. Hendrikman u.a., Windesheim 1395-1995. Kloosters, Teksten, Invloeden. Nijmegen 1996, S. 85-97.

Post 1968

Scheepsma 1997

Wybren Scheepsma und Ton Hendrikman (Red.), Het ootmoedig fundament van Diepenveen, Zeshonderd jaar Maria en Sint-Agnesklooster 1400-2000. Deventer 2002

 

 

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zuletzt bearbeitet am 20-01-2013

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